Château de Rambouillet (Yvelines)
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Im elften Jahrhundert stand hier ein kleines Dorf mit dem Namen Rambolitum. Der Vogt von Paris, Jehan Bernier, ließ sich auf Wunsch des Königs Karl V., in diesem Dorf nieder und erwarb im Jahre 1368 einen bescheidenen Landsitz, den er zu einer Festung umbaute. Zur gleichen Zeit ließ Karl V. auch in Paris um den Louvre und der Bastille eine Festung bauen.
Der Sohn von Jehan Bernier, verkaufte das neue Schloss an die Familie Angennes, die es über mehr als drei Jahrhunderte bewohnte. Das Schloss wurde erheblich von Jacques Angennes, Hauptmann der Leibwächter von Franz 1., vergrößert. Zu dieser Zeit empfing der Besitzer oft den französischen Schriftsteller, François Rabelais, Autor von Gargantua. Während eines Aufenthalts in Rambouillet starb Franz 1. im März 1547, nach einem schleichenden Fieber und einer Blutvergiftung im Raum des großen Turms, der heute noch existiert.
Das Schloss wurde im Jahre 1699 an den Finanzier, Fleuriau Joseph Armenonville, verkauft. Er ließ die französischen Gärten umbauen, erstellte Wasserflächen, ließ Kanäle und drei verschiedenartige Becken anlegen. Die Skulpturen im Park sind von Simon Mazière, Pierre Legros und René Frémin. |
Im Jahr 1706, bat Louis XIV. den Finanzier, das Anwesen an einen seiner Söhne, Louis-Alexandre de Bourbon, Graf von Toulouse, abzutreten. Letzterer verschönerte das Schloss und erweiterte die Ländereien durch Hinzufügen bemerkenswerter Stallungen und großzügiger Gemeinschaftsräume, die durch einen unterirdischen Gang mit dem Schloss verbunden waren.
Am Ende des achtzehnten Jahrhunderts kaufte Ludwig XVI. Rambouillet dem Herzog von Penthièvre, Sohn des Grafen von Toulouse, ab. Die Königin Marie Antoinette langweiligt sich aber in diesem Schloss, das sie "die Crapaudière" nannte. Um sie jedoch zu zerstreuen und sie an Trianon zu erinnern, ließ der König ihr die Molkerei errichten. Dieses Gebäude war damals ein Ort, wo Kostproben gereicht wurden, und es beherbergt die Skulpturengruppe "Almathée und Nymphe" von Pierre Julien.
In dem im Jahre 1772 angelegten englischen Garten kann man den Muschelpavillon bewundern, der vom Herzog von Penthièvre für die Prinzessin von Lamballe zwischen 1779 und 1780 gebaut wurde. Er hat eine der schönsten Verzierungen aus Perlmutter und Muscheln in Europa.
Im Jahr 1786 veranlasste Louis XVI. spanische Merino-Schafe ins königlichen Gehöft einführen zu lassen, denn das dicke Schaffell kann zu einer sehr feinen Wolle gesponnen werden. Die Weiterentwicklung von Merinos wurde dann von Napoleon 1. unterstützt, der gegenüber des Gehöfst die königliche Bergerie gründete. Das Gehöft ist heute eine öffentliche Einrichtung mit Schafböcken, Mutterschafen, Merino-Lämmer und auch mit vielen anderen Nutztieren wie Kühe, Zugpferde, Legehennen, Ziegen, Kaninchen usw.
Die seitlichen Gebäude des Hofs wurden Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet, die somit die beiden anderen Gebäude zusammenschliessen. Bis dahin waren sie voneinander getrennt, um eine Ausbreitung von möglichen Bränden zu verhindern. In einem dieser Räume wurde ein Labor eingerichtet, wo die künstliche Befruchtung entwickelt wird. Auf diesem Gelände gibt es heute keine Tiere mehr, es ist nur den Experimenten und der Ausbildung gewidmet.
Der Taubenschlag des königlichen Gehöfst ist einer der größten der Île-de-France und konnte mehr als 2000 Tauben unterbringen.