Anfang des 19. Jahrhunderts hat der erste Konsul, Napoleon Bonaparte, den Bau des 4,55 Kilometer langen Kanals Saint-Martin beschlossen, um Paris mit Trinkwasser aus dem Fluss Ourcq zu versorgen. Aufgrund der im Imperium herrschenden Unruhen konnte der Kanal jedoch erst 1825 unter Karl X. beendet werden und somit die Schifffahrt zwischen Ourcq, Paris und Saint-Denis ermöglichen. Der Kanal ist mit neun Schleusen und zwei Drehbrücken zur Bewältigung des Höhenunterschieds von 25 Metern versehen.
Vom 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts war die Binnenschiffahrt auf dem Kanal Saint-Martin zwischen dem Hafen Arsenal und dem Bassin der Villette sehr rege. Ab 1960 gewann jedoch der Straßengüter- und Eisenbahnverkehr gegenüber der Binnenschifffahrt immer mehr an Bedeutung und hatte zur Folge, dass Fabriken und Lagerhäuser am Kanal abgeschafft werden mussten. Heute ist der Kanal ein beliebtes Ziel für Touristen und bietet Schiffstouren, Spaziergänge und Platz zum Picknicken am Ufer des Kanals.
Die Schleuse « Arsenal » verbindet die Seine mit dem Kanal Saint-Martin und stellt die erste Passage des Höhenunterschieds von 25 Metern dar, den wir durch neun Schleusen erklimmen werden, um zum Bassin der Villette zu gelangen. Hierbei handelt es sich um die Schleuse mit nur einer Schleusenkammer, die vier anderen « Temples », « Récollets », « Morts » und « Villette » sind Doppelschleusen. Der Name dieser Schleuse ist auf das sich in der Nähe befindende « Grand Arsenal » zurückzuführen, wo früher Schießpulver hergestellt wurde. Heute ist dort eine große und berühmte Bibliothek mit etwa einer Million Bücher.
Der frühere Handelshafen Arsenal wurde 1983 zu einem Pariser Jachthafen umgebaut. Daneben befindet sich die neue Opéra Bastille.
Die Säule « Colonne de Juillet » wurde zwischen 1833 und 1840 mitten auf dem Platz der Bastille zum Gedenken an das Pariser Massaker « Trois Glorieuses » errichtet, was zur Abdankung von Karl X. führte. Die «Drei Glorreichen » war die Julirevolution für eine neue Machtergreifung des Bürgertums in einem liberalen Königreich, die der zweiten Restauration innerhalb von drei Tagen, den 27, 28, 29 Juli 1830 folgte.
Der unter Napoleon III. vom Baron Haussmann gebaute Kanaltunnel ist 2.120 Meter lang. Bevor der Kanal zwischen 1858 und 1860 unterirdisch gelegt werden konnte, musste sein Wasserstand um sechs Meter gesenkt werden. Das gehörte zu der neuen Städtepolitik von Napoleon III., der große Boulevards in den Pariser Vorstädten plante. Später konnten dort fünfzehn Grünplätze angelegt werden. Die Tunneldecke beginnt am Bassin vom Arsenal, führt weiter unter der Place de la Bastille, dem Boulevard Richard Lenoir und endet am Platz Frédéric Lemaître.
Die Tunneldecke Richard-Lenoir und Temple haben runde Belüftungs-Öffnungen. Dadurch ist ebenfalls eine natürliche Beleuchtung im Tunnel möglich. In der Wölbung kann man auch die Grundmauern der Colonne de Juillet bewundern und noch Brandspuren sehen, nachdem die Kommunarden 1871 versucht hatten, das Monument zu verbrennen, da es als Symbol der Monarchie galt.
Am Tunnelausgang befindet sich die Doppelschleuse Temple - ganz in der Nähe der Place de la République und dem früheren « Temple » - Hauptquartier des mächtigen Templerordens im Mittelalter. Über dem Gewölbe der Ausfahrt befindet sich die Büste von Frédéric Lemaître - Schauspieler des berühmten Films « Kinder des Olymps » von Marcel Carné.
Ganz in der Nähe der Schleuse « Temple » geht es unter einer Fußgängerbrücke « des Douanes » weiter, die auch Tempelbrücke genannt wird. Sie überquert das Bassin des Marais im 10. Arrondissement von Paris.
Vor der ersten Drehbrücke der Straße « Dieu », geht es unter einer zweiten Fußgängerbrücke « Alibert » im Bassin Marais weiter.
Die Drehbrücke wurde vom Bassin Villette demontiert und 1885 über dem Bassin Marais wieder aufgebaut. Die Brücke wird seit kurzem automatisch von der Schleuse Tempel aus fernbedient. Ein elektronisches sehr kompliziertes Systeme sichert die Öffnung und Schließung der zwei Drehbrücken des Kanals.
Am Ende der Straße zwischen den beiden Drehbrücken befindet sich der frühere Haupteingang des Krankenhauses Saint-Louis. Es wurde 1607 von Heinrich IV. gegründet, um das Krankenhaus Hôtel-Dieu in Zeiten der Pestepidemien zu entlasten. Er gab ihm den Namen Saint-Louis in Erinnerung an seinen 1270 an der Pest gestorbenen Urahnen, Ludwig IX. Seine Architektur ähnelt der der Place des Vosges im Stadtteil des Marais. Der Hof des Krankenhauses wurde restauriert und ist wieder eine Stätte der Ruhe und Schönheit geworden.
Jetzt kommen wir zu der zweiten Drehbrücke der rue de la Grange aux Belles, die 1885 gebaut wurde. Ihr Name kann von einer früheren Holzmaßeinheit herstammen oder von einer Taverne in der Nebenstraße, die für ihre « Schönheiten » berühmt war.
Danach warten wir an den Schleusen der Recollets in der Nähe des früheren gleichnamigen Klosters (Franziskanerorden, der dort von 1614 bis 1790 bestand). Das Wort « Récollets » bedeutet ein Leben, das der Ruhe und der Meditation gewidment ist. Neben dieser Schleuse befindet sich auch das Hôtel du Nord. Der gleichnamige und berühmte Film wurde von Marcel Carné in den Filmstudios von Billancourt gedreht. Das grandiose Bühnenbild wurde von Alexandre Trauner geschaffen, der das Hotel, die Schleuse und die benachbarten Fußgängerbrücken maßstäblich nachgebaut hatte. Die Schauspieler waren Louis Jouvet und Arletty, die das berühmteste Wortgefecht des französischen Films spontan erfunden haben : « Atmosphère, atmosphère... ». Das Hotel wurde renoviert und ist seit 1996 ein Restaurant.
Bevor das Gebäude an der Ecke des Krankenhauses Saint-Louis gebaut wurde, wohnte dort Vincenzo Perggia, der 1911 die «Mona Lisa» aus dem Louvre gestohlen hatte.
Beim Bau der Schleuse der Toten hat man an dem Ort einen Friedhof aus der Zeit der Merowinger entdeckt. Im 15. Jahrhundert stand 200 Meter von dieser Schleuse entfernt der wichtigste Galgen : « le Gibet de Montfaucon ».
Auf den dicken Steinpfeilern konnten 16 Leute gleichzeitig gehängt werden. Die Ballade vom Dichter François Villon : « das Lied der Gehenkten » geht mit schauerlicher Scharfsichtigkeit auf die Erhängten an diesem Galgen ein.
Die Schleusen « Jaurès » hießen vorher die deutsche Schleuse aufgrund der früheren nächstliegenden Straße nach Deutschland. Im Jahre 1914 wurde diese in Avenue Jean Jaurès umbenannt und die Schleuse bekam danach den selben Namen.
Weiter geht es geradeaus bis zur Rotonde de la Villette an der Place de la Bataille de Stalingrad. Die ehemaligen Docks sind noch immer zu erkennen, und man kommt an einem sehr langen Gebäude vorbei, wo jetzt eine Feuerwehrkaserne untergebracht ist.
Die Rotunde der Villette wurde 1789 vom Architekten Claude Nicolas Ledoux errichtet. Sie diente als Zollstation und Stadttor zu Zeiten der Generalpächter, die Zoll für die in die Hauptstadt eingeführten Waren vereinnahmten.
Das 700 Meter lange Bassin der Villette liegt 26 Meter über dem Seinespiegel. Der Architekt, Pierre-Simon Girard war mit dem Bau beauftragt, der 1806 begann und 1808 beendet und von Napoleon I. eingeweiht wurde. Es wurde schnell ein bevorzugter Ort zum Spazierengehen, zum Angeln und zum Schifffahren.
Ursprünglich war das Becken ein Trinkwasserspeicher für die Pariser Springbrunnen (der Brunnen der Unschuldigen war der erste, der mit diesem Wasser versorgt wurde). Nach der Annektierung von 1860 entwickelte er sich zum viertgrößten Handelshafen von Frankreich.
Bei den Ausgrabungen der Kanäle Saint-Martin und Saint-Denis im Jahre 1820 wurde das Bassin zur Verbesserung des Pariser Schifffahrtsnetz genutzt. Die « Compagnie des Entrepôts et Magasins Généraux » sowie der Schlachthof und der Viehmarkt trugen dazu bei, hier ein wichtiges Industrieviertel entstehen zu lassen.
Hier ist eines der neugebauten Lagerhäuser des Bassin de la Villette. Dazu wurden erneuerbare Rohstoffe verwendet, wobei u.a. den Nomen der Wärmedämmung und des Sonnenschutzes Rechnung getragen wurde.
Le Pont Levant de la rue de Crimée a été construit en 1885. Ce pont métallique fonctionnait grâce à la pression du réseau d'eau. Aujourd'hui il est automatisé.
Der 35 Hektar große Parc de la Villette bietet u.a. die frühere Viehhalle und heutige : Große Halle, die wichtigste Konzerthalle : das Zénith, die kugelförmige Geode, sowie die Stadt der Wissenschaften und der Industrie.