Museum Rodin (Paris)
Der reiche Finanzmann Abraham Peyrenc Moras ließ das „Hôtel Particulier“ Biron zwischen 1727 und 1737 bauen. Nach seinem Tod - im Jahre 1732 - verkaufte seine Witwe das Anwesen an Louis-Antoine de Gontaut-Biron, zukünftiger Marschall von Biron. Viele Hausbesitzer und Mieter folgten, die Änderungen und Umwandlungen durchführten bis zu dem Tag, wo der Dichter Rainer Maria Rilke den Bildhauer Auguste Rodin auf dieses Anwesen aufmerksam machte. Letzterer begann im Jahr 1908 einen Teil des Erdgeschosses zu mieten, um dort seine Werkstätten einzurichten. Ab 1911 bewohnte er das gesamte Hôtel Biron. Im selben Jahr wurde das Anwesen an den Staat verkauft, wonach alle Bewohner bis auf Rodin das Gelände verließen. Danach wurden die Kunstwerke des Bildhauers dem Staat gestiftet, der das Hotel Biron und den Park zu einem Museum umwandelte.
Rodin in seiner Werkstatt
Hier folgen einige Bilder der 18 Säle der beiden Ebenen des Hôtels Biron. Die Beleuchtung der Räume wird automatisch gesteuert und passt sich je nach Tages- und Jahreszeiten dem Licht an, was in Europa einzigartig ist.
Das Mädchen mit geblümtem Hut.
Auguste Rodin lernte die zwanzigjährige Rose Beuret 1854 kennen. Sie war sein Modell, seine Geliebte und er heiratete sie am Ende seines Lebens, im Jahre 1917.
Die Zentaurin 1901-1904
Rodin hatte die Kunst der griechisch-römischen Antike studiert, interessierte sich aber später auch für andere Kulturen und sammelte Kunstobjekte aus Asien, Assyrien oder Amerika, jedoch ebenfalls aus dem europäischen Mittelalter. Diese Kunstwerke hatte der Künstler zwischen 1893 und 1917 erworben und 1916 dem Französisch Staat gestiftet.
Rodins Denker im Park des Doktors Linde in Lübeck von Edvard Munch (1863-1944)
Der Skulpturengarten des Rodin-Museums ist drei Hektar groß. Er beherbergt viele Kunstwerke von Rodin, der bereits seit 1908 Naturräume benutzte, um dort einige Skulpturen aufzustellen. Bei Ausgrabungen in diesem Garten wurden Fragmente, Statuen und dekorative Platten sowie andere archäologische Funde freigelegt. Im Sommer kann man dort einen Rosengarten, Blumenbeete, schöne Bäume während zwei thematischen Rundgängen bewundern: der „Orpheusgarten" und "der Garten der Quellen".
Bei Betreten des Gartens trifft der Besucher auf den Denker. Er wurde 1880 erschafft und sollte ursprünglich das Tympanon des Höllentors dekorieren – man nannte ihn damals „der Dichter“ und stellte Dante, Autor der Göttlichen Komödie, dar. Der Denker war also zunächst sowohl ein fast verdammter, gequälter Körper als auch ein frei denkender Mann, der entschlossen war, sein Leiden durch die Poesie zu überwinden.
Das im Jahre 1891 vom Schriftstellerverband in Auftrag gegebene Denkmal des Schriftstellers Honoré de Balzac (1799-1850), in einer Mönchskutte, die er zum Schreiben trug, löste heftige Ablehnung in der Ausstellung von 1898 aus.
Karyatide mit Urne, Großes Modell 1918
Die Karyatide verkörpert tiefe Niedergeschlagenheit, Enttäuschung, Traurigkeit und Verzweiflung.
Meditation: innere Stimme, mit Armen, nach 1900.
Diese Skulptur war ursprünglich für das Höllentor geschaffen. Aus dem Modell der kleinen Verdammten (1881-1882), das das Tympanon verzierte, wurde Meditation. Die Statue verbindet Sanftheit, Melancholie, Anmut und Kraft.
Ugolin und seine Kinder.Das Thema stammt aus Dantes Göttlicher Komödie. Ugolin, wurde als Gefangener außer sich vor Hunger, er kriecht auf den Körpern seiner sterbenden Kinder, ist aber noch nicht ganz und gar seinem bestialischen Instinkte unterlegen. Nackt, mit verzerrtem Gesicht und kniend ist dieser verzweifelte Mann am Boden der Menschenwürde .
Der Genius der ewigen Ruhe 1899-1902 wurde von der Spätantike inspiriert, welches das zentrale Motiv seines Projekts war. Gekreuzte Beine, ausgestreckte Arme, die bereit sind, die Früchte eines Baumes zu pflücken, der ganze Körper neigt sich zur Seite, und scheint fast, sein Gleichgewicht zu verlieren.
Denkmal für Victor Hugo, nach 1900.Hugo ist hier sitztend auf den Felsen der Insel Guernsey gezeigt, wo er seinen Gedanken folgt. Sein Arm ist ausgestreckt, als wenn er die Fluten beruhigen wollte. Seine Gestalt ist von den Spuren der Zeit gekennzeichnet.
Denkmal die Bürger von Calais: Jacques de Wissant, Monumental, 1888.
Die Gestalt von Jacques de Wissant scheint sich schmerzlich vom Sockel abzustoßen, und das von der Hand befreite Gesicht bringt die wahre Spannung und den Willen zum Ausdruck. Das Denkmal der Bürger von Calais erinnert an eine Episode des Hundertjährigen Krieges (1337-1453); sechs Edelbürger opferten sich vor dem König von England, um ihre Mitbürger zu retten.
Denkmal der Bürger von Calais, 1889.
Sie sind mit einem Strick um den Hals, mit dem Hemd eines Veruteilten, und in individueller Haltung dargestellt. Sie stehen zusammen auf dem Sockel, damit die Monumentalität und Ausdrucksweise der Statuen der Öffentlichkeit besser "unter dem Aspekt des Elends und der Opferbereitschaft" bewusst wird.
Jules Bastien-Lepage, 1889
Der Maler, Jules Bastien-Lepage (1848-1884) wird hier in voller Aktion, als führende Kraft der Künstlerbewegung "Pleinairismus" oder „Freilichtmalerei“ gezeigt. Leicht nach vorne gebeugt betrachtet er aufmerksam das Motiv. Er zeigt somit das Bild eines Künstlers als
"inspirierter Beobachter" geleitet durch die Spannung des Körpers und der Augen.
Das Höllentor, 1880
ist von der Göttlichen Komödie des italienischen Dichters Dante Alighieri (1265-1321) inspiriert. Mehr als zweihundert Figuren drücken die Tragödie der menschlichen Leidenschaften aus : Verzweiflung, Verfluchung und Horror. Die Gestalten dringen dermaßen in die Struktur ein, sodass sie die architektonischen Elemente trüben.
Schatten, 1902-1904
In Dantes Göttlicher Komödie, stehen Schatten am Eingang der Hölle und eine eindeutige Aufschrift besagt : "Lasst, die ihr eingeht, alle Hoffnung fahren“! Rodin setzt seine Figuren an die Spitze des Höllentors, um eine unabhängige Gruppe mit einer männlichen Figur darzustellen, die mit zwei anderen identisch verbunden ist.
Die Marmorgalerie
wurde 1971 als Reserve- und Ausstellungsraum gestaltet. Die Skulpturen wurden nach Rodins Modellen und unter seiner Leitung von jüngeren und weniger begabten Bildhauern traditionsgemäß in den großen Skulpturwerkstätten und nach zahlreichen Themen gemeißelt: Porträts, Denkmäler oder mythologische Themen.