Morlanne (Béarn)
Die französische Gemeine Morlanne befindet sich im Département Pyrénées-Atlantiques etwa 20 Kilometer entfernt von Pau. Sie hat ungefähr 575 Einwohner, die Morlannais genannnt werden.
Das heute tausendjährige Dorf aus dem Mittelalter wurde insbesondere im Jahre 1373 während des Hundertjährigen Krieges auf Anlass von Gaston Fébus gebaut. Er hat eine Burg als Verteidigungssystem gegen die damals englisch beherrschte Gascogne errichten lassen. Der erste Eigentümer der Burg war sein Halbbruder Arnaud-Guilhem de Béarn. Danach bewohnten die Fürsten des Béarn diese Burg.
Bereits im XI. Jahrhundert hatte Morlanne eine 6 bis 8 Meter hohe primitive Burg auf einem Erdhügel. Dieser künstliche Hügel war von Hand gebaut, teilweise dank des Lehmbodens, den man durch die Ausgrabungen gewonnen hatte. Über die Gräben wurde dann eine Zugbrücke errichtet, die zu einem genagelten Eingangstor führte. Dieses aus dem XIV. Jahrhundert stammende Tor wurde wieder hergestellt und am selben Platz angebracht. Die Restaurierung ist dem Rechtsanwalt, Kunstsammler und Historiker Raymond Ritter und seiner Frau zu verdanken - den letzten Eigentümern des Schlosses.
Ab dem XV. Jahrhundert wurde die Burg von Morlanne wesentlich überarbeitet; zum Beispiel wurden ein Stockwerk und neun große Fenster aus dem XVII. oder XVIII. Jahrhundert hinzugefügt und die Latrinen beseitigt, deren Abwässer in den Burggraben flossen.
Die 14 Meter hohen Mauern bestehen aus Flusskieseln, eisenhaltigem Gestein und Natursteinen aus der romanischen Zeit.
Im Sommer kann das Schloss besichtigt werden, wodurch man eine schöne Gesamtansicht bekommt. Wie bereits oben erwähnt, waren Raymond Ritter und seine Ehefrau Hélène die letzten Bewohner des Schlosses. Herr Ritter kommt aus dem Elsass und seine Frau aus dem Béarn. Sie waren beide kunstbegeistert und haben mit Sorgfalt viel für das Schloss getan insbesondere für die Inneneinrichtung.
Vor dem Arbeitszimmer von Raymond Ritter kann man die kleine spanische Reisekommode mit ihren vielen Schubladen an der Vorderseite bewundern. Dieses Möbelstück kann leicht anhand der seitlichen Tragegriffe transportiert werden.
Etwas weiter gibt es im Saal der schönen Künste sehr wertvolle Gemälde von denen vierzig unter Denkmalschutz stehen.
Hier ist ein Küchenspülbecken aus dem XIV. Jahrhundert abgebildet. Sein Gewölbe wurde aus Backsteinen und Quadersteinen gebaut. Das in der Wand eingefügte Spülbecken ermöglichte ein direktes Abfließen der Abwässer nach draußen in den Wassergraben.
Im Salon d'Hélène befindet sich eine Harfe im Stil Ludwig XVI. Sie ähnelt einer Geige und ist mit chinesischen Verzierungen wie Körben und Blumengirlanden versehen.
Danach kommt man zu einem Glasschrank mit Nachttöpfen aus dem XVI. Jahrhundert. Sie wurden damals auf Reisen mitgenommen und begleiteten die Damen, wenn sie ausgingen. Sie befanden sich sogar in ihren Handtaschen ! Der Nachttopf ist angeblich eine tausendjährige Erfindung, von denen Historiker und Archäologen fast überall Spuren gefunden haben. Maria von Medici hatte ihren Kammerherrn für die Benutzung des Toilettenstuhls und der Waschung, die Damen in Versailles flüchteten in die Gärten, um "eine Rose zu pflücken" und zu Zeiten von Madame de Sévigné benutzte man ein größeres Hygienegeschirr für Frauen, den "Bourdaloue !
Die Scheune des Schlosses
Der von Frau Ritter gewünschte französischen Garten wurde genau am Platz des früheren Gemüsegartens angelegt. Die Form der Topiari erinnert an manche landwirtschaftliche Nutztiere.
Vor der Burg befindet sich die hübsch mit Blumen versehene Hauptstraße und ihre typischen Bauten der neuen Städte im Mittelalters.
Am Ende der Hauptstraße steht die Kirche Saint-Laurent aus dem X. Jahrhundert, die im Laufe der Zeit sehr oft restauriert wurde. Während der Religionskriege wurde sie auch in eine reformierte Kirche umgewandelt bis zur Intervention des französischen Königs Ludwig XIII., worauf sie im Jahre 1620 wieder an die katholische Kirche zurückgegeben wurde.
Gegenwärtig ist die Kirche wegen Bauarbeiten geschlossen.
Das seit 1976 unter Denkmalschutz stehende Gebäude trägt den Namen der ersten Eigentümer Belluix. Diese Familie hatte sich seit 1385 in Morlanne niedergelassen. Andere Eigentümer folgten und es gab hier eine Mühle, eine Bäckerei und eine Backstube bis 1984. In diesem Jahr wurde das Anwesen an die Gemeinde verkauft. Renovierungsarbeiten wurden hier ab 2011 mit einem ausgezeichneten Resultat geleistet.