Overblog Alle Blogs Top-Blogs Reisen & Veranstaltungen
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU
Deutsch-Französische Fundstücke

Das Schloss von Pau (Béarn)

3. April 2020, 11:19am

Veröffentlicht von Renate

Hier sind wir nun in Pau, der vierten Hauptstadt im Béarn seit 1464. Davor gab es die Hauptstädte : das Beneharnum im IV. Jahrhundert, dessen gegenwärtiger Name Lescar ist, danach kam Morlaàs und zuletzt Orthez im XII. Jahrhundert. Zu Beginn haben die Vicomtes des Béarn in der Ortschaft Pau ein Schloss gebaut, das ihnen als Jagdschloss diente. Nach und nach wurde das Schloss dann im XIV. Jahrhundert vergrößert und mit einem Turm vom Prinz der Pyrenäen versehen. Dieser Prinz, Gaston III, von Foix-Béarn hielt sich oft dort auf und widmete sich seinen Talenten zum Schreiben und zur Poesie in okzitanisch oder französisch. Nach einem Kreuzzug in Preußen legte er sich 1358 den Namen "Fébus" zu - wahrscheinlich hatte er dabei an den griechischen Gott gedacht...

Die Veränderung des Schlosses hielt an und wurde vom König von Navarra, Henri d'Albret, und seiner Gemahlin, Marguerite von Angoulême, durchgeführt. Sie ließen prächtige Gärten anlegen und führten den Renaissancestil mit seinen Öffnungen nach außen ein. Später wurden weitere Erneuerungen auf Anlass von Napoléon III., der Kaiserin Eugénie und Louis Philippe ausgeführt.

 

 

 

 

Die Besichtigung beginnt praktisch im riesigen Speisesaal mit seiner großzügigen Dekoration wie die Wandteppiche von Gobelins, den holländischen Kronleuchtern und dem gewaltigen Esstisch aus Eichen- und Tannenholz als einziges Mobiliar im Saal. Dieser Tisch wurde 1841 von dem Tischler Jeanselme unter Louis-Philippe hergestellt und es konnten etwa hundert Gäste an ihm bewirtet werden.

 

 

 

 

Hier die Treppenhausdecke, von wo aus es zu den verschiedenen Räumen geht.

 

 

Hier der große Empfangs- und Wartesaal, wo sich die Adeligen und der Klerus von Béarn im Mittelalter versammelten. Im XV Jahrhundert wae er Thronsaal der Könige von Navarra.

 

 

 

 

Bei den Restaurierungsarbeiten im XIX. Jahrhundert wurde der Steinkamin aus dem XVI. Jahrhundert ganz und gar vom Bildhauer Prosper Piquenot erneuert.

 

 

 


Die Schlafgemächer und Himmelbetten kommen aus dem 15. Jahrhundert. All diese Betten des Schlosses von Pau sind aus geschnitztem Holz. Die Betten sind alle sehr klein, da man zu der Zeit fast im Sitzen schlief. Das Liegen erinnerte an den Tod oder an Schwäche, wovor man sich fürchtete. Die Großeltern von Heinrich IV., der Graf Henri d'Albret und Marguerite d'Angoulême, hatten ihre Anfangsbuchstaben H und M in den Vierecken des Bettdaches einschnitzen lassen.

 

 

 

 

Die meisten Wandteppiche kommen aus der Manufaktur Gobelin, die sich im 13. Arrondissement von Paris befindet. Letztere wurde im April 1601 auf Anlass von Henri IV. gegründet. Die Wandteppiche waren nicht nur zur Dekoration da, sondern sie dienten auch, um die Räume vor Kälte zu schützen und Geheimtüren zu verdecken.

 

 

 

 

Bei der Geburt von Henri IV. - am 13. Dezember 1553 - und bevor man ihn in diese Wiege legte, rieb sein Großvater seine Lippen mit einer Knoblauchzehe ein und ließ ihn an einem Glas Wein aus dem Jurançon schnuppern. Es war keine gewöhnliche Wiege sondern ein Schildkrötenpanzer aus dem Indischen Ozean, die Kraft und ein langes Leben symbolisiern sollte. Das hat sich dann auch bewahrheitet, denn Henri IV. wurde ein kräftiger Mann, mit 14 Jahren der dritte König von Navarra und der vierte von Frankreich im Jahre 1589. Er lebte nur etwa zehn Jahre in Pau und danach am französischen königlichen Hof. Seine Mutter, Jeane d'Albret, eine überzeugte Calvinistin erzog Henri nach dieser Religion, jedoch im Jahre 1693 widerrief Henri den Protestantismus.

 

 

 

Henri IV. war ein großer Krieger, ein Verführer und ein Lebenskünstler. Das köstliche Suppenhuhn war seine Idee. Es war sein Wunsch, dass jeder Landsmann in seinem Reich am Sonntag ein Suppenhuhn essen konnte. Als Süßspeisen mochte er gerne die sogenannten "coucougnettes du Vert Galant" - ein Gemisch aus Schokolade überzogenen gebrannten Mandeln - dazu gab es dann ein Glas Wein aus dem Jurançon...

 

 

 


Die Gärten und der Park des Schlosses wurden ab dem XVI. Jahrhundert angelegt und ausgebaut. Der Park erstreckt sich über eine Fläche von etwa vierzig Hektar in Richtung der Plätze Gramont und Verdun. Henri IV. nahm rege an der Gartengestaltung teil, indem er seinem Gärtner Zeichnungen und Pläne zusandte. Um das Schloss herum befindet sich der kleine Garten mit Gartenlauben und bedeckten Passagen. Nach sehr vielen Veränderungen wird dieses Anwesen gegenwärtig von den Gärtnern des Ministeriums für Kultur und Kommunikation in Stand gehalten.
 

In diesen Gärten gibt es ein Hinweisschild, das den Besucher darauf aufmerksam macht, dass sich das Schloss zur Förderung ökologischen Weidens verpflichtet hat, d.h. eine alternative oder ergänzende Methode zur chemischen und mechanischen Rasenpflege auf den Grünflächen anzuwenden. Um das Mähen an nicht leicht zugänglichen Stellen zu erleichtern, weiden hier 9 Ziegen und ein Ziegenbock aus den Alpen, die sich am Gestrüpp ergötzen können. Man hat die Rasse aus den Alpen für das Schloss ausgewählt, weil es sich hier um sehr robuste Tiere handelt, die im Aussehen auch den Gemsen ähneln.

 


 

 

Kommentiere diesen Post