Senlis (Oise)
Senlis liegt 40 Kilometer nördlich von Paris entfernt - umgeben von den Wäldern Ermenonville, Halatte und Chantilly. Die Stadt war von den Königen Frankreichs bis Heinrich IV. bewohnt, wodurch ihr reiches historisches Erbe entstand.
Diese frühere keltische Stadt der Silvanekter wurde von den Römern Augustomagus (der Markt von Augustus) genannt, und im dritten Jahrhundert von einer 840 Meter langen und 4 Meter dicken Stadtmauer mit 30 Türmen umgeben, von denen heute noch 16 guterhaltene bestehen.
Die königlichen Dynastien der Merowinger bis zu den Kapetingern waren sehr von der Stadt angezogen, deren Umgebung ihnen ein erstklassiges Jagdgebiet bot. In dieser Stadt wurde Hugo Capet im Jahre 987 nach dem tödlichen Unfall des letzten karolinger Herrschers, Ludwig V., zum König von Frankreich ernannt.
Die Weinberge, die Verarbeitung von Wolle, Leder und die Veranstaltungen vieler Jahrmärkte brachten der Stadt in den XII. und XIII. Jahrhunderten großen Reichtum.
Die königliche Abtei St-Vincent wurde auf Wunsch der Königin Anna von Kiew - der Gemahlin des Königs Heinrich I. - gebaut. Die Klosterkirche wurde 1065 geweiht und die Abtei später den Kanonikern des St-Augustiner-Ordens anvertraut. St-Vincent entschwand dem religiösen Leben aufgrund des zivilen Aufbaus des Klerus im Jahre 1790. Nach dem Verkauf als nationales Eigentum, wurde das Gebäude nach und nach als Lazarett, Kaserne, Spinnerei und ab 1836 als Bildungsstätte genutzt. Das Gebäude gehört heute zum Gymnasium St-Vincent.
Nachdem man die frühere Kirche des „Hôpital de la Charité“ Jahrzehnte lang hat verkommen lassen, wurde die ukrainische katholische Kirche im September 2013 Dank großzügiger Spender der Partnerstadt Kiew und privaten Spendern in Frankreich erworben.
Um zum „Place de la Halle“ zu gelangen, geht unser Weg durch diese malerischen Gassen :
Place de la Halle : der Kreuzweg des Bergfrieds ist einer der Orte, wo Senlis im zwölften und dreizehnten Jahrhundert einen wirtschaftlichen Höhepunkt erreicht hatte. Die Geschäfte florierten besser in dieser Stadt als in Paris. Hier war auch die Heimat des Malers Thomas Couture.
Der Bau der Kathedrale Notre-Dame begann im Jahre 1153 unter der Herrschaft von Ludwig VII. und dem Bischofsamt von Thibault – einem Freund von Suger. Innerhalb von vier Jahrhunderten wurden an ihr mehr oder weniger große Änderungen vorgenommen, trotzdem wurde sie im Jahr 1191 geweiht. Nach einem Großbrand haben Ludwig XII. und Franz I. an der Wiederherstellung des Doms teilgenommen. Viele seiner Ornamente kamen auch während der Revolution abhanden.
Königliche Kapelle St. Frambourg : Acht Kirchengemeinden haben sich die Stadt Senlis seit Jahrhunderten geteilt einschließlich die Kirche St. Frambourg. Die Königin Adelheid hatte diese Kirche im Jahre 993 gegründet, um Gott für die Wahl ihres Mannes, Hugo Capet, zu danken und die Reliquien aus dem VI. Jahrundert des Einsiedlers, St. Frambault, aus Auvergne zu verwahren.
Das Museum für Kunst und Archäologie ist im ehemaligen Bischofspalast untergebracht. Dort sind bedeutende archäologische Sammlungen und Gemälder vom XVII. bis zum XX. Jahrhundert ausgestellt und insbesondere solche von Thomas Couture (1815-1879) und Séraphine Louis, die man Séraphine de Senlis (1864-1942) nannte, sowie andere mehr.
Die Rue du Petit Chaalis ist das Eingangstor, Straßennummer 5, der ehemaligen Mönchs-Residenz der Abtei Chaalis (die 10 km von Senlis entfernt ist). Ursprünglich gab es dort zwei sich gegenüber stehende Gebäude, die zur Abtei gehörten. Das der Nummer 4 ist völlig verschwunden. Das noch bestehende Gebäude ist traditionsgemäß Wohnraum des Abtes.
Königlicher Schlosspark : Auf Vorschlag des Bischofs von Reims wurde in diesem Schloss Hugo Capet im Jahre 987 zum König gewählt. Somit wurde das Schloss Wiege der kapetinger Dynastie.
In diesem Schloss haben viele Könige gelebt, darunter Ludwig IX., Karl V. und Franz I., bevor es im Jahre 1551 Présidial-Sitz und danach als nationales Eigentum im Jahre 1793 verkauft wurde. Nach Zerstörung von mehreren Bauten kann man am Eingang noch einen romanischen Turm und Überreste eines Verlies besichtigen. Fragmente des Hauptgebäudes des Schlosses lehnen an einer gallo-römischen Mauer.
In der Nähe des königlichen Schlosses befindet sich das Priorat Saint Maurice, das St. Louis von 1262 bis 1264 gegründet hatte. Es wurde im Jahre 1768 zerstört sowie das Kloster und die Kapelle nach der Revolution. Heute befindet sich im Gebäude der Mönche das Jagdmuseum.
Im zwölften Jahrhundert ließ Raoul von Vermandois hier nur wenige Meter von der Kathedrale entfernt das Hotel du Vermandois bauen. Er war Enkel des Kapetingers, Heinrich I., Kousin ersten Grades und Kanzler von Ludwig VI. und Ludwig VII. Nach den Restaurierungen im XVI. Jahrhundert und weiteren in den XVIII. und XIX. Jahrhunderten wurde es 1791 als nationales Eigentum verkauft und schließlich in ein Museum umgewandelt und dient seit 1971 als Anhang des Museums für Kunst und Archäologie.

Bei der St.-Petri-Kirche handelt es sich um einen vor-romanischen Bau, der viele architektonische Änderungen Mitte des XIII. Jahrhunderts erfahren hat. Die größten davon sind jedoch im sechzehnten Jahrhundert während des Episkopates von Guillaume Parvi durchgeführt worden.
Auf dem Weg zum Place des Arènes befindet sich die Statue von Anne von Kiew.
Durch diese kleine Gasse :
kommt man zum Platz Heinrich IV.
Die frühere Kirche Saint-Aignan gehört ebenfalls zu den sieben Pfarrkirchen von Senlis. Allerdings wurde sie seit der Revolution nicht mehr genutzt und später in ein Theater umgebaut. Obwohl sie weitgehend in den 1980er Jahren restauriert und als Kulturraum ausgestattet wurde, ist die Kirche heute in einem völlig verlassenen Zustand. Man nimmt an, dass sie um 1024 gegründet wurde.