Navarrenx (Béarn)
Navarrenx, ein der ältesten Dörfer im Béarn, das angeblich schon im 1. Jahrhundert bekannt war, liegt am Fluss Gave d'Oloron. Es wurde stark von der Dynastie Moncade beeinflußt, wie unter anderem von Gaston VI, der 1180 mit dem Bau einer Fußgängerbrücke, einer Johanniterkommende, einem Krankenhaus für die Mitglieder der Bruderschaft "die Jacquets" und mit der Kapelle Saint-Antoine begann.
Im Jahr 1316 wurde Navarrenx zu einer der neuen Städte des Mittelalters : "einer Bastide" ausgebaut, die einer architektonischen Qualitätscharta unterlag wie der Bestimmung des Bauumfangs, der traditionellen Materialien, Farben usw.
In den Pyrenäentälern wurde eine extensive Viehzucht betrieben, die vorwiegend auf Wandertierhaltung beruhte. Man ließ im Winter Kühe und Schafe im Flachland weiden und im Sommer brachte man sie in die Berge. Hin und wieder durchquerten sie Dörfer, was auch heute noch vorkommt.
Mit dem Bau einer Festung und einer Brücke hatte dieses Dorf an Bedeutung gewonnen und eine strategische Stellung auf dem Weg nach Navarra eingenommen. Jedoch zerstörte im Jahre 1523 Karl V diese Festung, wonach der König von Navarra, Henri d'Albret, die Festung durch eine revolutionäre Struktur aus Italien neugestalten ließ. Der Entwurf dieser Erneuerung wurde dem italienischen Architekten Fabricio Siciliano anvertraut.
Der Pulverturm zeigt die militärische Architektur unter Verwendung von zerteilten Steinen.
Der Militärbrunnen versorgte die Garnison im Falle einer Belagerung mit Wasser. Der Brunnen befindet sich 4,60 m tief unter dem Erdboden und eine 21-stüfige aus schönen Steinen gebaute Treppe führt zu ihm hinunter. Sein Wasserdurchfluss von 1700 Litern pro Stunde im Sommer reichte weitgehend aus, um die Bedürfnisse der zivilen und militärischen Einwohner des Ortes zu decken. Seine Quelle, deren Position noch heute ungewiss ist, wurde nie von feindlichen Belagerungen der Stadt weder umgeleitet noch vergiftet.
Platz der Kasernen :
Die Kaserne von Saint-Germain wude einige Jahre nach der Errichtung der Stadtmauern (gegen 1550) in der Nähe des Tors Saint-Germain gebaut und konnte 66 Männer beherbergen. Gegenüber der Kaserne - auf der anderen Straßenseite - befand sich das Kapuzinerkloster, das seit 1658 als Garnisonskaplan diente. Danach waren es in der Reihenfolge der Wohlfahrtsausschuss während der Französischen Revolution, ein Krankenhaus im Jahre 1793 und schließlich eine Kaserne der Gendarmerie von 1806 bis 1820.
Havanna-Zigarren in Béarn
Auf dem selben Platz der Kaserne befindet sich auch das Geschäft "Hedon Cigares". Die Zigarren werden ausschließlich in Frankreich hergestellt und von Hand gerollt ! In der Arbeitsstätte der "Rouleuses" sind zwei Kubanerinnen mit außergewöhnlicher Geschicklichkeit tätig.
Die Kirche Saint Germain wurde 1562 mit einem Glockengiebel fertiggestellt, der 1734 durch den heutigen Portal-Glockenturm ersetzt wurde. Die Königin Johanna d'Albret (Mutter des zukünftigen Heinrichs IV) hatte sich im August 1560 zum Calvinismus bekehrt und befahl somit auch die sofortige Reformation dieser Kirche.
Am 18. Oktober 1620 erließ König Ludwig XIII das Edikt zur Vereinigung von Béarn mit Frankreich und stellte die Ausübung der katholischen Religion dort wieder her, indem er persönlich an einer feierlichen Messe teilnahm. Am 4. August 1790 versammelten sich dort die großen Kurfürsten, um Navarrenx als Hauptort des Departements Basses-Pyrenées zu bestätigen. Diese Bezeichnung wurde später der Stadt Pau zugeteilt.
Während im Jahr 1814 napoleonische Truppen die Zitadelle gegen die Truppen von Wellington verteidigten, diente die Kirche als Verteidigungsreduit.
Das Arsenal wurde um 1680 anstelle des alten "Hauses der Könige von Navarra" unter Wiederverwendung ihrer Mauern, gebaut. Es ist ein zweistöckiges U-förmiges Gebäude mit einem Dachboden und einer Gesamtfläche von 819,94 m2. Es konnte eine große Menge an Waffen, Granaten und anderen Munitionen speichern.
Das Halbmond-Tor ist das einzige Bauwerk, das zwischen 1569 und 1626 außerhalb der Festungen errichtet wurde. Es befindet sich auf einer niedrigeren Ebene, um die Waffen im Falle eines Angriffs unter Beschuss zu halten. Im 19. Jahrhundert wurde es dem Platz zugeteilt sowie mit einer Tür und Zugbrücke versehen. Die beiden Seiten der Gewölbekeller dienten als Munitionslager.
Die Shakespeare-Brauerei hat eine neue Adresse, sie befindet sich jetzt Rue Saint-Antoine Nr. 30 direkt am Marktplatz. Die Inhaber, englischer Herkunft, verwenden ausschließlich Zutaten aus Béarn. Das ergab sechs verschiedene Biersorten mit wunderschön variierenden Farben und guter Verbitterung. Die Brauerei existiert seit 2004 und ihr Bier ist eines der beliebtesten in Béarn.
Im Stadtzentrum gibt es noch viele alte Häuser, darunter das Haus von Johanna d'Albret, in der Rue Saint-Antoine, andere befinden sich zerstreut im Zentrum und am Marktplatz oder hinter dem Rathaus.
Seit dem Mittelalter und auch noch heute machen sich tausende von Pilger auf den Fernwanderweg von Puy en Velay (GR 65) nach Galizien in Spanien, wo der Leichnam des Apostels Jakobus der Ältere beigesetzt wurde. Dieser Weg führt auch durch Navarrenx, wo die Pilger Halt machen und ebenfalls die Taverne Saint Jacques aufsuchen können.

Lachs ist das Wahrzeichen des Gave d'Oloron, und seit 1930 finden am ersten Wochenende im Juni Angelwettbewerbe statt. Allem Anschein nach kennen alle Lachsfischer die Stadt Navarrenx, die sie zu ihrer Hauptstadt erklärt haben.